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Heiße Diskussionen entbrannt

Jena-Innenstadt: Bald autofreie Zone?

Das Konzept des Runden Tisches Klima und Umwelt: Grün markierte Straßen werden autofrei, blaue bleiben als Zufahrtsstraßen für Parkplätze (rote Punkte) offen.
Das Konzept des Runden Tisches Klima und Umwelt: Grün markierte Straßen werden autofrei, blaue bleiben als Zufahrtsstraßen für Parkplätze (rote Punkte) offen.
Foto: Grafik/Runde Tisch Klima und Umwelt Jena
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Jena plant offenbar, große Teile der Innenstadt als autofreien Bereich auszuweisen. Stadtentwicklungsausschuss berät am Donnerstag über ein entsprechendes Konzept. In der Bevölkerung gibt es bereits heftige Diskussionen.

Jena. Der Runde Tisch Klima und Umwelt Jena hat ein Konzept entwickelt, bei dem eine Reihe von Straßen in Jenas Zentrum für den Individualverkehr langfristig gesperrt werden sollen.

Im Beirat für Klimaschutz und nachhaltige Entwicklung der Stadt Jena ist das Konzept bereits abgesegnet worden. Die Beratungen im Stadtentwicklungsausschuss darüber finden an diesem Donnerstag statt.

Hintergrund ist der Beschluss der Stadt zur Global Nachhaltigen Kommune. Diese sieht bis 2030 die Halbierung von verkehrsbedingten CO2-Emissionen vor. Im Zuge dessen soll außerdem die Luftqualität verbessert und Nahverkehr, Fußgänger- und Fahrradmobilität gefördert werden.

Um folgende Straßen handelt es sich dabei konkret:

  • Der Löbdergraben ab der Paradiesstraße (und später, unter Berücksichtigung des neuen Campus auf dem Inselplatz, ab dem Steinweg) bis zum Holzmarkt, daran anschließend Teichgraben, Nonnenplan (ab City Carree) und Neugasse
  • Der Leutragraben ab der Kollegiengasse und daran anknüpfend die Schillerstraße
  • Die Weigelstraße und Hinter der Kirche
  • Die Grietgasse von der Paradiesstraße bis Am Volksbad
  • Den gesamten Engelplatz

Lediglich der öffentliche Nah- sowie Lieferverkehr und Hotelgäste sollen dann in diesen Straßen fahren dürfen. Allen anderen sind die Straßen nur für die Zufahrten zu Parkhäusern bzw. Parkplätzen vorbehalten.

In den sozialen Medien bereits heiß diskutiert

Bereits gestern wurden die zentralen Punkte der Beschlussvorlage in der Öffentlichkeit publik. Seitdem wird das Thema in den sozialen Medien heiß diskutiert.

Die einen sehen darin eine Chance sehen, die Innenstadt sicherer und attraktiver zu machen. „Dann hört ja endlich die Raserei in der Grietgasse auf“, freut sich Bernd H. in einem Kommentar bei Facebook.

Andere wiederum befürchten einen Rückgang der Kaufkraft und eine Verschärfung der ohnehin angespannten Verkehrssituation in den übrigen Straßen Jenas, wenn nun noch einige Hauptverkehrsadern wie der Löbdergraben (insbesondere, wenn dieser bis zum Steinweg gesperrt wird) oder die Schillerstraße wegfallen.

Man denke nur an die jetzt schon hoffnungslos überfüllte Lutherstraße oder den Fürstengraben, auf die dann wohl noch mehr Verkehr zukommen wird.



„Wie sollen Emissionen gesenkt werden, wenn Autofahrer künftig langsamer und länger durch Stadtteile fahren oder aber auf Umwege geschickt werden, deren Verkehrsverdichtung zu mehr Stop-and-Go führen wird“, schreibt z. B. Martin K. ebenfalls bei Facebook.

Am Ende des Tages aber werden sich auch die verantwortlichen Köpfe der Stadt mit diesen Fragen auseinandersetzen, denn bisher sind die hier beschriebenen Maßnahmen nichts als Pläne.

Öffentlich im Stadtentwicklungsausschuss

Diesen Donnerstag (18 Uhr im Volksbad Jena) wird zunächst einmal der Stadtentwicklungsausschuss über die autofreie Kernzone und ihrer Weiterverfolgung entscheiden, bevor das Thema überhaupt erst im Stadtrat zur Debatte steht.

Text: Johannes Pfuch