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„hätte hätte Fahrradkette“

29. Kulturarena Jena eröffnet mit Theaterspektakel

„hätte hätte Fahrradkette“: Das Stück richtet sich an arabisch- und deutschsprachige Zuschauer.
„hätte hätte Fahrradkette“: Das Stück richtet sich an arabisch- und deutschsprachige Zuschauer.
Foto: Ben Baumgarten
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Das Sommer-Open-Air „hätte, hätte Fahrradkette“ eröffnet am Freitag die 29. Jenaer Kulturarena. Die Premiere ist ausverkauft!

Jena. Mit der Uraufführung des Theaterspektakels „hätte hätte Fahrradkette“ fällt am morgigen Freitag der Startschuss der Kulturarena 2019 in Jena.

Das Theaterhaus Jena macht jetzt auch Fernsehen. Zumindest mutet das, was in „hätte hätte Fahrradkette“ passiert, sehr danach an. Doch im Theater darf der Zuschauer hinter die Kulisse der Sendung schauen, und dort ist nicht alles Gold, was glänzt.

Um einen bisher sträflich vernachlässigten Markt zu bedienen, soll von Thüringen aus eine Sitcom entstehen, die sowohl Deutschland als auch den gesamten arabischsprachigen Raum bedienen wird.

„Neue Deutsche“ treffen auf „alte Deutsche“, Missverständnisse und Konflikte entstehen und werden für Pointen instrumentalisiert. 

Humorvoll schauen wir durch verschiedene Perspektiven dabei zu, wie die gegenwärtigen Debatten rund um das Thema Migration – eingebettet in scheinbar leichte Unterhaltung und ergänzt mit viel Musik – verhandelt werden, und plötzlich entstehen aus Lachern und Klischees Menschen und ihre Heimaten. Lässt sich das noch weglachen?



Während die Handlung auf der Bühne im Verlauf des Stücks im babylonischen Sprachgewirr zu versinken droht, haben wir als Zuschauer Dank ausgefeilter Ton- und Videotechnik den Durch- und Überblick.

„hätte hätte Fahrradkette“ ist komplett auf deutsch und arabisch übertitelt und macht die Zuschauenden so zu den mündigsten Personen im Stück. Denn natürlich kann es keine gute Sitcom ohne ein lachendes Live-Publikum geben.

Die Sitcom

Ein Fahrradladen entlang des Saaleradwegs. Abdo, aus Syrien nach Thüringen geflüchtet, arbeitet dort als Angestellter von Hans, einem konservativen deutschen Urgestein.

Als Abdo Besuch von seinen Freunden Said und Aziz bekommt, die er das erste Mal seit ihrer Flucht aus Syrien wiedersieht, fängt er an, die Sprachbarriere zwischen seinem deutschsprachigen Chef und seinen arabischsprachigen Freunden dazu zu nutzen, sich als Besitzer des Fahrradladens und Hans als seinen Angestellten auszugeben.



Die Verwirrung steigert sich noch, als zwei holländische Fahrradtouristen in den Laden kommen, und Aziz und Rebekka, Hans’ Tochter, anfangen sich zu daten. Aber was haben der gesuchte IS-Terrorist, der Feminismus und das Camping-Chemie-Klo damit zu tun?

Die Sitcom „hätte hätte Fahrradkette“ liefert die Antwort, auch wenn Chaos natürlich vorprogrammiert ist.

Die Crew

Hinter den Kulissen von „hätte hätte Fahrradkette“ arbeitet ein deutschsprachiges Produktionsteam, das die Schauspieler*innen der Sitcom mit ihren verschiedenen Sprachen unter Kontrolle halten soll.

Angeführt von einer deutsch-irakischen Regisseurin und vorangetrieben vom deutschen Produzenten, schuftet das Team für den Erfolg der Sendung und verhandelt nebenbei die
Essgewohnheiten im Team, Homosexualität im Islam und das Schlangestehen an deutschen Filmsets als Ausdruck ultimativer Gleichheit.

Alles Themen, vor denen die Dame vom Catering nicht zurückschreckt. Der Zeitdruck wird immer größer, die Aufnahmeleitung bricht fast zusammen, und was Humor in den verschiedenen Kulturen eigentlich ist, wurde auch noch nicht geklärt. Also: Licht, Kamera, Action.

Mit Texten von George Tobal

In deutscher, holländischer, englischer und arabischer Sprache, mit deutschen und teilweise mit arabischen Übertiteln

Vorstellungen: 5. (ausverkauft), 6., 10., 11., 12. und 13. Juli 2019, Theatervorplatz, 21:30 Uhr

Karten im Vorverkauf: 15 Euro/12 Euro ermäßigt; Kinder unter 12 Jahren: 5 Euro
Karten an der Abendkasse: 17 Euro/14 Euro ermäßigt

Quelle: Theaterhaus Jena
Fotos: Ben Baumgarten