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Des einen Freud, des anderen Leid

"Schnellstraße" in Jena bekommt weitere Ampelanlage

"Schnellstraße" in Jena bekommt weitere Ampelanlage
"Schnellstraße" in Jena bekommt weitere Ampelanlage Foto: Julia Matthes

Schon lange ist den Überquerenden des blauen Stahl-Ungetüms, welches den Eingang Jenas auf der Stadtrodaer Straße seit 36 Jahren ziert, der Zerfall der Fußgängerbrücke aufgefallen. Korrosion, blätternder Lack und brüchiger Beton ließen sich nicht mehr verstecken.

Jena. Trotzdem ist und war die Brücke für lange Zeit der kürzeste Weg, um von der Nahverkehrs-Haltestelle Lobeda-Altstadt in das Wohngebiet auf der anderen Seite der Schnellstraße zu gelangen. Etwa tausend Querungen konnten nach Zählungen des Jenaer Nahverkehrs an dieser Stelle der Stadtrodaer Straße festgestellt werden.

Doch den Kürzeren ziehen hier tagtäglich Gehbehinderte, Fahrradfahrer oder Eltern mit Kinderwagen. Denn die Brücke ist nur über viele Treppenstufen zu erreichen. Wer diese nicht erklimmen kann, muss den etwa ein Kilometer langen Umweg über den Fußgängertunnel am Goldberg in Kauf nehmen.

Abgesehen von der eingeschränkten Tragfähigkeit der Brücke werden sich also bald vor allem diese Menschen über den behindertengerechten Überweg mit Lichtsignalanlage freuen.

Dieses Bild könnte bald für viele Autofahrer auf der Stadtrodaer Straße Alltag werden.Dieses Bild könnte bald für viele Autofahrer auf der Stadtrodaer Straße Alltag werden.

Natürlich gibt es auch bei diesem Projekt eine Kehrseite der Medaille: Autofahrer, die auf möglichst schnellem Weg in oder aus der Stadt gelangen wollen, müssen dann nämlich zwei Ampelphasen innerhalb weniger hundert Meter passieren. Schließlich wartet am Fußgängerüberweg in Neu-Lobeda schon die nächste Ampel. Zudem muss die Geschwindigkeit in diesem Bereich wohl auf Tempo 50 heruntergesetzt werden.

Die Sanierung der Brücke hätte im Übrigen genauso viel gekostet wie der Neubau. Dieser kam aufgrund der Beachtung des Behinderten-Gleichstellungs-Gesetzes und der damit verbundenen Baumaßnahmen nicht infrage. Ein Aufzug hätte Wartungskosten nach sich gezogen, eine Rampe optisch nicht ins Bild gepasst.

Auch ein Tunnel hätte das Abpumpen von Regenwasser nötig gemacht, im Falle von Hochwasser wäre die Straßenquerung vielleicht nicht mehr möglich gewesen. Aus diesen Gründen entschied man sich für die Variante, welche sowohl im Bau als auch in der Wartung am wenigsten kostet: ein Fußgängerüberweg mit Lichtsignalanlage. Das blaue Eingangstor in die Saalestadt wird dann schon bald verschwinden.

Text: Julia Matthes
Foto: Michael Baumgarten

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