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Zur falschen Zeit am falschen Ort

Verwechslung brachte Mann aus Jena hinter Gittern

Matthias Eckhardt landete unschuldig hinter Gittern und vor dem Gericht.
Matthias Eckhardt landete unschuldig hinter Gittern und vor dem Gericht. Foto: Michael Baumgarten

Weil er zufällig in die grobe Beschreibung zweier chinesischer Studenten passte, welche im November letzten Jahres Opfer eines Raubüberfalls in Jena-Lobeda wurden, und zur falschen Zeit am falschen Ort war, kam der junge Jenenser Matthias Eckhardt für knapp einen Monat in den Knast. Nun wurde er vor dem Landgericht Gera freigesprochen.

Jena. Nachdem am 10. November 2013 zwei chinesische Studentinnen den Notruf gewählt hatten, um einen Raubüberfall im Fahrstuhl eines Wohnhauses in Jena-Lobeda zu melden, forderten die Ermittlungsbeamten die Überwachungskamera der Straßenbahn an. Von dort aus soll der Täter den beiden Frauen gefolgt sein.

Während die Täterbeschreibungen beider Frauen nur wenige Übereinstimmungen aufzeigten, waren sich beide einig, ein helles Oberteil erkannt zu haben. Beschuldigt wurde infolgedessen der 26-jährige Matthias Eckhardt, welcher auf dem Weg zu seiner hilfsbedürftigen Mutter in der gleichen Straßenbahn saß wie der Täter. Auch er trug ein weißes Oberteil, an welches sich die beiden Frauen erinnert haben wollen.

Nachdem die Studentinnen Eckhardt auf den Überwachungsbildern als Täter identifizierten, folgte eine Fahndung via dieser Bilder. Schnell verbreiten sich die Informationen über Facebook, woraufhin Eckhardt selbst die Polizeistation aufsucht, um die Sache richtigzustellen.

Mit diesen Fahnungsfotos der Polizei (Aufnahmen in der Straßenbahn) wurde am 12. November 2013 nach dem Räuber gesucht. (Quelle: Screenshot/Jenaer Nachrichten)Mit diesen Fahnungsfotos der Polizei (Aufnahmen in der Straßenbahn) wurde am 12. November 2013 nach dem Räuber gesucht. (Quelle: Screenshot/Jenaer Nachrichten)

Dort sind auch die Studentinnen anwesend, um den Täter aus Wahllichtbildern zu identifizieren. Obwohl die Befragung getrennt voneinander hätte stattfinden müssen, durften die Frauen gemeinsam die Täteridentifizierung durchführen. Wie der Zufall es wollte, wählen sie auch hier das Bild des 26-Jährigen. Seine Mutter vertauschte unterdessen wohl die Tage, als sie aussagte, dass ihr Sohn bei ihr zu Besuch war. Das Amtsgericht verhängte den Haftbefehl. Eckhardt kommt für knapp einen Monat hinter Gitter.

Ein entfernter Bekannter Eckhardts, der dem Angeklagten ziemlich ähnlich sieht, stieg an diesem Abend ebenfalls in die Straßenbahn. Auch er trug ein helles Oberteil, sogar die Handyortung des erbeuteten Handys führt die Polizei zu dem 27-Jährigen. Er wird als Zeuge zum Prozess geladen, erscheint jedoch erst zum zweiten Verhandlungstag in Begleitung der Polizei, so Eckhardt uns gegenüber. Die Zweifel an Eckhardt als Täter werden immer größer, sodass das Landesgericht Gera den jungen Mann freispricht.

Als Rache für die vermeintliche Tat wurde er allerdings zweimal verprügelt, wird auch jetzt noch "schief angeguckt in der Stadt", so Eckhardt im Interview. "Es ist unglaublich, wie schnell man in der Stadt in den Fokus geraten kann. Ich bin bestimmt kein Unschuldslamm, aber mit sowas habe ich garantiert nichts zu tun!", versichert der 26-Jährige.

Rechtsanwalt Steffen Böttcher spricht von einer Ermittlungspanne: "Ich bin überrascht über diese Pannen, die während der Ermittlungen geschehen sind. Ich kenne die Polizeiarbeit sonst als sehr zuverlässig, aber diesmal ist einiges schief gelaufen."

Text: Julia Matthes

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