Warnung vor Triage

Steigende Fallzahlen: Jenas Weihnachtsmarkt auf der Kippe

Ob Jena in diesem Jahr wieder ein Weihnachtsmarkt erleben darf?
Ob Jena in diesem Jahr wieder ein Weihnachtsmarkt erleben darf?
Foto: Ben Baumgarten/Archiv
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Triage bis Heiligabend? Rasant ansteigende Corona-Zahlen drohen den Jenaer Weihnachtsmarkt platzen zu lassen. Bürgermeister Gerlitz sieht die Landesregierung in der Verantwortung.

Jena. In einer eilig einberufenen Sonder-Pressekonferenz hat sich Jenas Bürgermeister Christian Gerlitz am Dienstag zum Jenaer Weihnachtsmarkt geäußert. Zum jetzigen Zeitpunkt lasse sich nicht sagen, ob er in diesem Jahr stattfinden könne.

Die Corona-Lage sei „deutschlandweit nicht gut, in Thüringen aber besonders schlecht“, sagt der Bürgermeister – und schlägt Alarm: „Schon eine Verdoppelung der Fallzahlen alle zwei Wochen – und wir sind da eher bei einer Verdreifachung – würde dazu führen, dass wir die 1000er-Marke schon deutlich vor Heiligabend knacken.



Wenn nicht Thüringen in dieser Woche noch wirklich das Ruder herumreißt, dann sind wir vor Heiligabend in einer Situation, wo wir Triage sehen und wo auch die Variante mit dem Ausfliegen von Intensivpatienten nicht mehr ausreichend sein wird“, so Gerlitz.

Im Falle einer „Triage“ könnten wegen knapper Ressourcen nicht mehr alle Patienten versorgt werden. Ärzte müssten dann entscheiden, wem sie helfen und wem nicht.

Verantwortlich für die Situation sei vor allem die Landesregierung, die es in den letzten Monaten komplett versäumt habe, mit einheitlichen Regeln Planungssicherheit zu schaffen. Stattdessen sei Thüringen nun ein „Flickenteppich mit zwei Dutzend verschiedenen Allgemeinverfügungen“ in den einzelnen Städten und Kommunen.



Zudem seien die heute in Thüringen geltenden Regelungen schon jetzt nicht ausreichend. Während in Sachsen landesweit für Veranstaltungen die 2G-Regel in Kombination mit Abstandsregeln und Maskenpflicht gelte, verbiete Thüringen es Städten wie Jena, selbst die Regeln zu verschärfen.

Die Zeit wird knapp

Der derzeitige Plan für den Weihnachtsmarkt sieht für den Markt selbst die 3G+-Regel vor, in der Rathausgasse und auf dem Eichplatz gelte dagegen Maskenpflicht.

Für die Veranstalter des Weihnachtsmarktes bedeutet die jetzige Situation vor allem eines: Unsicherheit. So gebe es Stand jetzt 50 Prozent weniger Standzusagen als in den Jahren vor der Pandemie, sagt der stellvertretende Werkleiter von JenaKultur, Carsten Müller.



Er zeigte sich zudem frustriert von der niedrigen Impfbereitschaft in Jena und von der „Nebelsuppe der Regelungen“, in der die gesamte Veranstaltungsbranche derzeit gefangen sei.

Unterdessen kündigte Thüringens Gesundheitsministerin Heike Werner ebenfalls am Dienstag eine Ausweitung des 2G-Modells an. Diese solle kommende Woche im Kabinett diskutiert werden, bevor am 23. November dann eine neue Corona-Verordnung für den Freistaat in Kraft treten soll.

Ob damit der Weihnachtsmarkt, dessen Eröffnung für den 25. November geplant ist, gerettet werden kann, scheint fraglich. Bürgermeister Gerlitz hatte von der Landesregierung entschiedenes Handeln noch in dieser Woche gefordert.

Text: Alexander Nehls

© Jenaer Nachrichten

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