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Claudia Koppe im Interview

Charity-Gala-Dinner: Der Tod sollte kein Tabuthema sein

Vorsitzenden und Hauptorganisatorin Claudia Koppe.
Vorsitzenden und Hauptorganisatorin Claudia Koppe. Foto: Verein

In zehn Tagen, am 26. Oktober, findet in Jena wieder ein besonderes Benefiz-Event statt. Der Verein „Leben heißt auch Sterben“ holt zum wiederholten Mal hochkarätige Prominente nach Jena. Für den guten Zweck – der Reinerlös des Charity-Gala-Dinners wird der Abteilung Palliativmedizin gespendet.

Jena. Wir haben mit der Vorsitzenden und Hauptorganisatorin Claudia Koppe über Hintergründe, Herzblut fürs Ehrenamt und neue Vorverkaufsstellen gesprochen.

Solch eine Veranstaltung stellt man nicht mal nebenbei auf die Beine. Wie gelingt ihnen die Organisation?

Claudia Koppe: Man könnte schon sagen: nebenbei! Alle Mitglieder unseres Vereins arbeiten ehrenamtlich in ihrer Freizeit – also neben Hauptberuf und Privatleben. So mancher opfert seine gesamte Freizeit. Das ist bewundernswert!

Ich bin sehr stolz auf das Team, das mit extrem viel Herzblut dieses Gala-Dinner auf die Beine stellt und versucht, eine hohe Spendensumme zu sammeln. Es wird phänomenal – organisiert von Laien. Sie brennen für das Projekt, das ist nicht selbstverständlich.

Der Reinerlös des Dinners soll der Abteilung Palliativmedizin am Jenaer Uniklinikum zugute kommen. Warum so viel Herzblut und freiwillige Arbeit für die Palliativstation?

Claudia Koppe: Die besten Ideen entstehen beim Bier, sagt man so schön. Diese entstand genau so. Vor sieben Jahren war einer meiner besten Freunde auf der Station. Ich habe miterlebt, wie die Ärzte, Pflege und Schwestern bestmöglich die letzten Wochen meines Freundes erleichterten und sie auch mit Freude und Spaß füllten.

Eines Abends wollte sich seine Lieblingsschwester in den Feierabend verabschieden. Wir genossen gerade bei einem Gläschen Wein, dass mein Freund schmerzfreie Stunden hatte. Er bat sie, noch zu bleiben. Weil sie wusste, dass er sie so mochte, tat sie es. Sie blieb zwei Stunden. Ein anderes Mal öffnete eine Schwester die Terrassentür und sagte: „damit die Seele gehen kann, wenn es so weit ist“ … Das waren Gänsehautmomente.



Auf der anderen Seite merkte ich, wie wenige meiner Freunde und Bekannten wussten, was die Palliativmedizin leistet. Ich wurde ständig gefragt: „Palli was?“. Zudem habe ich gesehen, dass auf den Terrassen Sonnenschutz fehlte. Es war Hochsommer. Aber die Terrassen sind privat finanziert – dafür musste erst Geld zusammen kommen, lernte ich.

Einen Bekannten erging es ähnlich. So nahmen wir uns eines Abends in seinem Garten vor, nicht nur darüber zu reden, sondern etwas zu tun und zu ändern.

Aus einer Idee entstanden ein Verein und bereits zwei große Charity-Veranstaltungen. Nun soll die Dritte stattfinden. War das so von Anfang an geplant?

Claudia Koppe: Nein. Die erste Idee war, Medienaufmerksamkeit zu erreichen. Ich bin im Medienbereich tätig und dachte, es wäre leicht. Mit Nichten. Zahlreiche Sendeanstalten lehnten meine Anfrage ab. Das Thema Sterben war nicht populär. Dabei darf der Tod kein Tabuthema sein, fand ich.

Das Sterben gehört zum Leben – das hat mir mein Freund in seinen letzten Wochen bewiesen. Entgegen aller Ärzteprognosen feierten wir noch mal Geburtstag mit ihm.

Danach fanden sich schnell Gleichgesinnte. Die neue Idee war eine Veranstaltung, über die die Medien berichten müssen. Am Ende spendeten wir 10.000 Euro. Das war ein unbeschreibliches Gefühl, den Scheck zu übergeben – einer der unbezahlbarsten Momente in meinem Leben. Und endlich wurde mehr über die Palliativmedizin berichtet.

Viele sagen Sterbehilfe, Sterbemedizin oder Sterbestation. Trifft das zu? Was tut denn die Palliativmedizin?

Claudia Koppe: Nein, das ist ein Vorurteil. Die Palliativstation ist keine Sterbestation, im Gegenteil. Auch ist die Palliativmedizin keine Sterbemedizin – sie bejaht das Leben. Es geht darum, diese letzte Phase des Lebens so würdevoll und bestmöglich zu gestalten. Menschenwürde ist ein wichtiges Stichwort. Lebensqualität. Diese ist für jeden etwas anderes.

Der eine will schmerzfrei sein, für den anderen zählt Mobilität. Die Palliativmedizin geht individuell auf jeden Menschen ein, interdisziplinär und mit viel Engagement. Im besten Fall bekommen die Patienten noch mal so viel Kraft, dass sie nach Hause für die letzte Zeit zurückkehren können.

Man könnte viel mehr darüber sagen: Wer hier mehr erfahren will, kann sich auf dem Informationstag Palliativmedizin am 26.10.2019, ab 9.30 Uhr am Abbe-Campus genau informieren. Wir hoffen, dass viele kommen – extra dafür ist der Infotag kostenlos für jedermann!

Jetzt sind es nur noch 10 Tage bis zum Charity-Gala-Dinner und dem Informationstag. Ist denn schon alles organisiert?

Claudia Koppe: Ja – der Großteil muss das längst sein. Wir haben im Januar 2018 mit den Planungen begonnen. Das war nicht wenig Arbeit. Aber wenn wir etwas organisieren, dann richtig. Das hat die Palliativmedizin verdient, selbst meinen Perfektionismus, der so manchem im Team zur Weißglut getrieben hat.



Natürlich gibt es auch kurz vorher noch Arbeit. Aktuell haben wir eine neue Vorverkaufsstelle für den Endspurt eingerichtet. Ein begrenztes Kontingent gibt es ab sofort im REWE-Markt Eismann am Salvador-Allende-Platz, weil wir einige Rückmeldungen bekamen, dass Interessenten nicht online kaufen möchten. So kann nun jeder leichter an Tickets kommen.

Das bedeutet, es gibt noch Karten?

Claudia Koppe: Ja. Doch der Vorverkauf endet am 22.10. und wir können aktuell nicht sagen, ob es eine Abendkasse geben wird. Wir freuen uns, dass wir auch den Lesern der Jenaer Nachrichten ermöglichen können, dabei zu sein. Wir verlosen 1 x 2 Freikarten.

Freikarten-Verlosung


Wer 1 x 2 Freikarten gewinnen möchte, schickt einfach eine kurze Mail mit dem Stichwort „Charity-Gala-Dinner“ und Ihrer Telefonnummer an: redaktionjena@gmail.com

Ein netter Mitarbeiter unseres Teams wird Sie dann telefonisch informieren, ob Sie der glückliche Gewinner sind. Einsendeschluss ist der 21. Oktober 2019, 15 Uhr. 

Anmerkung der Redaktion:

Sie sind am 26.10.2019 verhindert oder nicht in Jena, wollen aber die Arbeit unterstützen: Spenden sind beim Verein immer willkommen.

Konto: Leben heißt auch Sterben e.v.
Bank: Sparkasse Jena Saale-Holzland
IBAN: DE73 8305 3030 0018 0310 13
BIC/SWIFT: HELADEF1JEN

Interview: Jana Baumgarten

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