Experiment wird fortgeführt

Verkehrsversuch in Jena-Ost: Stadt zieht Zwischenfazit

Zwischenfazit zu Verkehrsversuch in Jena-Ost: Trotz Kritik aus der Bevölkerung möchte die Stadt am Experiment festhalten.
Zwischenfazit zu Verkehrsversuch in Jena-Ost: Trotz Kritik aus der Bevölkerung möchte die Stadt am Experiment festhalten.
Foto: Ben Baumgarten/Archiv
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Zwischenfazit zu Verkehrsversuch in Jena-Ost: Trotz Kritik aus der Bevölkerung möchte die Stadt an dem Experiment festhalten und stattdessen weitere Anpassungen diskutieren.

Jena. Vor fast einem Jahr wurde der Verkehrsversuch Camsdorfer Ufer / Camsdorfer Straße gestartet. Aus diesem Anlass hat die Stadt ein erstes Zwischenfazit gezogen.

Vorausgegangen waren dem Experiment umfangreiche Diskussionen um die Sicherheit von Fußgängern und Radfahrenden auf und an der Camsdorfer Brücke.

Besonders an der hoch frequentierten Ecke an der „Grünen Tanne“ war die Querung mit Gefahren verbunden. Hier konnte mit der provisorischen Ampel auf der Brücke Abhilfe geschaffen werden. Diese hätten das Sicherheitsgefühl in diesem Bereich deutlich gesteigert.

Als Folge der Ampel bildeten sich allerdings in den Stoßzeiten Rückstaus – teilweise weit in die Karl-Liebknecht-Straße hinein – und belasteten so den KFZ- und ÖPNV-Verkehr. Der immense Druck auf der Kreuzung wirkte sich massiv auf die Verkehrssicherheit des Bereichs aus.

Es kam vermehrt zu Rotlichtfahren (teilweise aus der dritten und vierten Position der stehenden Fahrzeuge) Richtung Innenstadt und einer starken Fehlnutzung der Nebenfahrbahn an den Häusern ab der Apotheke. Hier war dringendes Handeln geboten.

Deshalb wurde ein Verkehrsversuch gestartet, welcher die Ecke an der „Grünen Tanne“ verkehrlich entlasten soll und damit die notwendige Verkehrssicherheit hier wiederherstellen sollte. Durch die Freigabe der Camsdorfer Straße für beide Verkehrsrichtungen sei auch der Rückstau auf der Karl-Liebknecht-Straße zurückgegangen und der Druck auf die Kreuzung „Grüne Tanne“ deutlich gesunken.

Kritik der Anliegerinnen und Anlieger

Demgegenüber gab es aber auch Kritik aufgrund der höheren Verkehrsbelastung in der Camsdorfer Straße. Bürgerinnen und Bürger verfassten eine Petition „Stoppt den Verkehrsversuch“, die bis heute über 1.8010 Unterzeichner fand.

Die Verwaltung ist mit den Anliegerinnen und Anliegern im Austausch. Anpassungen der Verkehrsführung auf den beiden Straßen wurden bereits vorgenommen, weitere Maßnahmen sind in der Diskussion.

Die bereits umgesetzten Schritte:

  • Die Geschwindigkeit zur Durchfahrt der Straße wurde im Oktober 2020 von 30 auf 20 km/h reduziert
  • Die ungünstige Geometrie der Kreuzung am „Geleitshaus“ wurde im Juni 2021 angepasst. Hier werden kurzfristig noch Leitelemente installiert, die die Einfahrt in die Camsdorfer Straße (von Süden) noch zusätzlich abbremsen.
  • Im Juni 2021 wurden Kontrollmessungen der gefahrenen Geschwindigkeiten durchgeführt, bei der eine Reihe von Geschwindigkeitsüberschreitungen zu den vorgeschriebenen 20 km/h festgestellt wurde.
  • Diese Messungen werden zukünftig regelmäßig durchgeführt und werden die Verkehrssicherheit des Bereiches verbessern.
  • Im Juni 2021 wurde das Linksabbiegen an der „Grünen Tanne“ wieder zugelassen, so dass sich der Verkehrsstrom nicht mehr allein auf die Camsdorfer Straße verteilen muss.

Ziel ist es, dass eine Lösung erreicht wird, mit der alle Beteiligten gut umgehen können. Priorität werden dabei Aspekte der Sicherheit im Straßenverkehr haben – natürlich auch die der unmittelbaren Anwohnenden.

Verkehrsunfall eines Kindes nicht wegen Verkehrsversuch

Am 22.06.2021 wurde in der Camsdorfer Straße ein Kind von einem PKW angefahren und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Dieser Unfall ist sehr bedauerlich und wurde in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert. Laut Stadt konnte jedoch kein Zusammenhang zwischen dem Verkehrsversuch und der Unfallursache festgestellt werden.

Das Kind hatte hinter einem stehenden Fahrzeug, welches am Stopp-Schild wartete, schnell die Fahrbahn betreten und wurde deshalb von dem Fahrzeugführer des PKW auf der gegenüberliegenden Fahrbahn nicht rechtzeitig erkannt und vom Wagen erfasst.

Diese Unfallkonstellation (haltende Fahrzeuge und Fahrtrichtung Nord) gab es auch schon vor Einführung des Verkehrsversuchs. Solche Situation sollen zukünftig durch die Leitelemente entschärft werden.

In der Zeit des laufenden Verkehrsversuchs kam es zu zwei weiteren leichten Unfällen.

Verkehrsversuch wird bis Ende des Jahres fortgeführt

Die Lichtsignalanlage an der „Grüne Tanne“ ist ein zentraler Baustein für die Verkehrssicherheit in Jena Ost.

Eine Zählung im Juni 2021 ergab, dass hier zum Morgenverkehr den Knotenpunkt „Grüne Tanne“ 200 Fußgänger und Radfahrende queren. Die installierten Ampelanlagen sind demnach von höchster Bedeutung, um einen sicheren Übergang möglich zu machen. Diese Position vertritt auch der Beirat Radverkehr.

Diese Lichtsignalanlage ist nur dann in der Lage, den Gesamtverkehr abzuwickeln, wenn für Linksabbieger von der Karl-Liebknecht-Straße in die Straße Camsdorfer Ufer zusätzliche Alternativen bestehen.

Bis Ende 2021 wird der Verkehrsversuch deshalb fortgeführt und dann ein Gesamtfazit gezogen. Dies gilt auch für die versuchsweise Einführung einer Tempo-30-Zone entlang der Karl-Liebknecht-Straße.

Quelle: Stadt Jena

© Jenaer Nachrichten

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