Wimpernschlagfinale in Dresden

Jenaer Judo-Frauen holen Meistertitel

Foto: Judo Club Jena
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Ungläubig schauten die Jenaerinnen und ihre Betreuer bei der Siegerehrung der diesjährigen Verbandsliga-Saison zum Hallensprecher: Hatte dieser eben tatsächlich "Platz zwei geht an PSV Leipzig und Platz eins an den JC Jena" gesagt? Mannschaftsleiter Steffen Gröning sprintet zum Sprechertisch: "Seid Ihr ganz sicher?" Ja, man ist sich sicher, auch wenn es so knapp wie nie zuging. Die Jenaerinnen gewinnen tatsächlich den Meistertitel in der Verbandsliga Sachsen! Der Jubel beim Jenaer Team kennt keine Grenzen!

Jena. Aber der Reihe nach: Als Tabellenzweiter mit zwei Punkten Rückstand auf den führenden PSV Leipzig reisten die Judo-Damen des JC Jena nach Dresden zum entscheidenden letzten Kampftag der Saison. Gegner waren heute die bis dato verlustpunktfreien Leipzigerinnen, dazu der SV Einheit Altenburg sowie Vorjahresmeister und Gastgeber PSV Kamenz.

Die Sorgenfalten der Jenaer Betreuer hatten im Laufe der letzten Woche Grand-Canyon-artige Ausmaße angenommen, nachdem sich sage und schreibe 19 Sportlerinnen des 30-köpfigen Kaders u.a. wegen Verletzungen, Auswahlverpflichtungen oder sonstiger unaufschiebbarer Termine wie Abi-Abschluss, Hochzeiten und Trauerfeiern abgemeldet hatten. Jammern gilt nicht, deshalb schworen sich die verbliebenen Kämpferinnen vor der ersten Begegnung mit dem Tabellenkrösus aus Leipzig ein: "Ich sag Jena, Ihr sagt Sieg! Jena-Sieg!".

Der Auftakt verlief jedoch wenig verheißungsvoll: Bis 52kg bekam es Kira Blei mit der erfahrenen Silva Müntzenberg zu tun. In einem dramatischen Kampf auf Augenhöhe siegte die Sächsin dann knapp mit Yuko. Auch Alexandra Baatzsch hatte bis 48kg ein richtig dickes Brett zu bohren: Der Kampf gegen Lisa Hartmann ging dann leider auch deutlich mit Ippon verloren.

Bis 70kg gelang es Kassandra Walluks nach einer unerlaubten Aktion ihrer Gegnerin mit Ippon den Abstand zu verkürzen, ehe die heute bärenstarke Carina Seiferth bis 63kg den Ausgleich schaffte. Susan Killge "durfte" heute in der Gewichtsklasse über 78kg ran und besiegte die bundesligaerfahrene Sandra Amarell mit Festhallte. Jena führt.

Bis 78kg wollte es Sabrina Fischer ihrer Mannschaftskameradin gleichtun, doch beim Wurfansatz verdrehte sie sich so unglücklich das Knie, daß sie den Wettkampf aufgeben musste. Somit war der Ausgleich der Leipzigerinnen perfekt und der siebente und somit letzte Kampf musste die Entscheidung bringen.

Bis 57kg vertrat Lisa Zey die Jenaer Farben und lieferte, trotz des Abi-Abschlussballes am Vorabend, gegen Samerah Grötsch eine starke Leistung ab. Eine Festhalte beendete nicht nur diesen Kampf sondern besiegelte den 4:3-Sieg gegen den Tabellenführer.

In der zweiten Begegnung gegen den bislang sieglosen SV Einheit Altenburg galt es nun, sich keine Nachlässigkeiten zu erlauben, schließlich hatte man eben den Punkte-Vorsprung der Leipzigerinnen egalisiert. Die Betreuer beschworen also die Kämpferinnen, keine Unkonzentriertheiten aufkommen zu lassen, was diese dann auch bravourös umsetzten: Mit jeweils klaren Ipponsiegen von Kira Blei, Vanessa Sander, Karolin Förste, Carina Seiferth, Susan Killge, Anne Beyer und Lisa Zey wurden die Rand-Thüringerinnen mit 7:0 von der Matte gefegt.

Im allerletzten Mannschaftskampf der Saison galt es nun, erneut als Sieger von der Matte zu gehen, da sich auch die Leipziger Konkurentinnen keine Blöße mehr gaben und alle anderen Kämpfe für sich entscheiden konnten. Jedoch wartete mit dem PSV Kamenz eine Mannschaft, gegen die es letzte Saison zwei herbe Niederlagen setzte. Auch heute hatte Kamenz-Coach Hardy Hohlefeld eine starke Truppe versammelt, die sich ihrerseits selbst noch Chancen auf den zweiten Tabellenplatz ausrechnete.

Den Auftakt machte erneut die Gewichtsklasse bis 52kg, hier kämpfte diesmal mit Alexandra Baatzsch unsere etatmäßige "48erin", der man jedoch gegen die schnelle und bewegliche Tina Hohlefeld bessere Chancen zubilligte als Kira Blei, die sich in den vorhergegangenen Kämpfen bereits völlig verausgabt hatte. Leider ging der Plan der Trainer nicht wie erhofft auf, die Kamenzerin siegte per Festhalte und machte das 1:0 für die Ostsächsinnen perfekt.

Doch kann kam die Zeit der Saalestädterinnen: Zunächst siegte Vanessa Sander kampflos bis 48kg, dann lieferte Carina Seiferth bis 70kg gegen Christin Dietze einen taktisch und technisch brillanten Kampf ab und siegte durch Aufgabe der Gegnerin nach einer blitzschnell angesetzten Hebeltechnik.

Karolin Förste siegte ebenso deutlich bis 63kg gegen Vivien Haupt per Festhalte und auch Susan Killge hatte in der Klasse über 78kg mit der wesentlich kleineren Darinka Schäfer wenig Mühe und machte nach wenigen Sekunden mit schönem Sumi Gaeshi das 4:1 für Jena perfekt.

Bis 78kg versuchte sich Kassandra Walluks gegen Tasmin Hirschfeld an einer weiteren Ergebnisverbesserung, wurde jedoch zweimal ausgekontert und verlor somit.

Den letzten Kampf der Saison bestritt bis 57kg erneut Lisa Zey für das Team Jena, hatte aber dabei mit der sehr erfahrenen Anne Dörner eine extrem schwere Aufgabe zu lösen. Eigentlich war der Jenaer Sieg beim Stand von 4:2 ja schon perfekt und Lisa hätte es eigentlich ruhig angehen lassen können. Das dies jedoch ihre Sache nicht ist, machte sie von der ersten Sekunde an deutlich: Schnell, beinahe überfallartig kamen ihre Angriffe, die Dörner jedoch allesamt abwehren und dabei zum Teil eigene gefährliche Aktionen setzen konnte. Ein hochdramatischer, ausgeglichener Kampf entwickelte sich, in dem keine der Kämpferinnen  eine Wertung erzielen konnte.

So stand es fünf Sekunden vor Ende der Kampfzeit noch immer unentschieden, als Lisa am Boden das Revers ihrer Gegnerin zu fassen bekam und eine Würge ansetzen konnte. Sekundenbruchteile vor dem Schlußgong klopfte ihre Gegnerin ab, somit gab es noch einmal Ippon für Team Jena und einen am Ende verdienten 5:2-Sieg. Das ausgerechnet dieser last-second-Punkt in der Schlußabrechnung ausschlaggebend sein sollte, ahnte zu diesem Zeitpunkt noch keiner im Jenaer Lager.

Nach den eigenen Notizen waren sich Betreuer Mario Blei und Steffen Gröning darüber einig, daß Leipzig in der Tabelle nach Kampfpunkten knapp vorn liegen dürfte. Auch ein flüchtiger Blick auf die Listen am Sprechertisch schien dies zu bestätigen, so daß man den eigenen Kämpferinnen in der kurzen Teambesprechung vor der Siegerehrung von Herzen zu ihrem hervorragenden zweiten Platz und ihren teilweise wirklich starken Kämpfen gratulierte.

Umso größer war dann die bereits eingangs geschilderte Freude, als nach korrekter Abrechnung aller Einzelwertungen die erzielten Wertungspunkte ganz knapp den Ausschlag für den Meisterschaftssieg gaben. Sowohl das Leipziger als auch das Jenaer Team hatten in der Endabrechnung 10:2 Siegpunkte und 29:13 Kampfpunkte. Lediglich bei den Wertungspunkten hatte Jena mit 287:114 gegenüber 263:113 knapp die Nase vorn.

Letzten Endes war es heute auch ein Sieg der Moral, trotz des dezimierten Kaders und der frühen Verletzung von Sabrina Fischer pushten sich die Jenenserinnen gegenseitig zu Wahnsinnsleistungen. Ein großer Dank geht daher nicht nur an die Kämpferinnen auf der Matte, sondern auch an die Auswechslerinnen und mitgereisten verletzten Sportler, die zu diesem Erfolg mit beitrugen. Danke auch an Mario Blei für sein Coaching und die mitgereisten Eltern und Schlachtenbummler.

In der kommenden Saison gilt es nun, die Mission "Titelverteidigung" in Angriff zu nehmen!

Text und Fotos: Judo Club Jena

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