Weiberfastnacht
Krawatten-Alarm: Närrinnen stürmen OB-Büro in Jena
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Krawatten-Alarm: Närrinnen stürmen OB-Büro in Jena und feiern ausgelassen.
Jena. Was für ein Morgen im Amtssitz des Stadtoberhauptes von Jena:
Statt Akten, Terminen und politischer Routine gab es am Donnerstag für Oberbürgermeister Thomas Nitzsche eine geballte Ladung Karneval – ungefragt, ungehemmt und unglaublich laut.
Zur Weiberfastnacht stürmten die Närrinnen und Narren des Jenaer Karnevalsclubs (JKC 1953) seinen Amtssitz und verwandelten sein Dienstzimmer innerhalb von Sekunden in eine schunkelnde Partyzone – Nitzsche war chancenlos.
Kaum hatten die bunt kostümierten Jecken das Büro geentert, musste sich der OB einhaken und mitschaukeln, als gäbe es kein Morgen.
Aus der Amtsstube dröhnte: „Wir haben oben gute Laune, unten gute Laune ...“ – und mitten im Getümmel ein singender, tanzender OB, der sein Zepter im Handumdrehen an die Närrinnen abtreten musste. Machtübernahme geglückt.
„Heute haben die Frauen die Macht!“, rief JKC-Mitglied Eyleen Kriependorf – und setzte direkt nach: Zack, war Nitzsches Krawatte Geschichte. Ein sauberer Schnitt, ein lauter Jubel, ein OB ohne Schlips.
Nach einer fröhlichen Tanzeinlage der kleinen „Funken“ bedankte sich Nitzsche artig für die närrische Überraschung.
Doch die Karnevalisten nutzten den Moment, um auf ein ernstes Thema aufmerksam zu machen: ihre klamme Vereinskasse.
JKC-Präsident Thomas Hempel erinnerte daran, dass die Stadt Millionen für Großprojekte wie die neue Straßenbahntrasse oder das Freizeitbad „GalaxSea“ ausgebe.
„Man stelle sich vor, wie grau und hässlich Jena wäre, wenn es uns nicht gäbe“, so Kriependorf – ein Appell mit Nachdruck.
Dann war der Spuk so schnell vorbei, wie er begonnen hatte.
Mit einem kräftigen „Jene Gelle!“ und dem Lied „Fasching ist nur einmal im Jahr“ zog die bunte Truppe weiter – zum nächsten traditionellen Überfall: der Volksbank am Johannistor. Dort dürfte der nächste Krawattenverlust schon auf der Agenda stehen.
