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Petition übergeben

Autokorso: Lautstarker Protest der Gastro in Jena

Knapp eine Stunde blockierte der Autokorso der Gastronomen den Leutragraben in Jenas Innenstadt. Mit dieser Aktion wollten sie Ihrer Not Ausdruck verleihen.
Knapp eine Stunde blockierte der Autokorso der Gastronomen den Leutragraben in Jenas Innenstadt. Mit dieser Aktion wollten sie Ihrer Not Ausdruck verleihen. Foto: Johannes Pfuch

Gastronomen und Kleinbetriebe machten am Dienstagvormittag mit einem Autokorso auf ihre Not aufmerksam. Dass die Sorgen real sind, zeigt die Schließung der Sportsbar am Markt.

Jena. Mit 50 Autos setzten sich Vertreter von Gastronomie und Gewerbetreibenden heute Vormittag vom Stadion in Richtung Innenstadt in Bewegung, um auf ihre existenzbedrohende Lage aufmerksam zu machen.

Dieses Ziel wurde definitiv erreicht, denn neben einer Polizeieskorte wurde der Korso von einem lauten Hupkonzert der Protestierenden begleitet.

Im Leutragraben schließlich übergab Rudolf Kornhuber, Initiator des Autokorsos, eine Petition an die Landtagsabgeordnete Ute Bergner (Mitglied der FDP-Fraktion), in der eine Öffnungsstrategie für die Gastronomie und Kleinbetriebe sowie unbürokratischere Hilfen gefordert werden.

Der Initiator des Autokorsos, Rudolf Kornhuber, übergibt eine Petition an die Landtagsabgeordnete Ute Bergner (Mitglied der FDP-Fraktion).Der Initiator des Autokorsos, Rudolf Kornhuber, übergibt eine Petition an die Landtagsabgeordnete Ute Bergner (Mitglied der FDP-Fraktion).

Bergner, selbst Teil des Petitionsausschusses im Landtag, sagte, dass die Gastronomen den richtigen Weg gewählt hätten. „Es geht hier um Existenzen, Familien, die gerade den Boden unter den Füßen weggezogen bekommen“, sagte sie.

Die Politik müsse diese Sorgen ernst nehmen und nun dringend handeln. Am Donnerstag tagt der Petitionsausschuss das nächste Mal, Bergner möchte sich, nicht zuletzt aufgrund der kurzen Fristen in der Petition, für eine rasche Bearbeitung einsetzen.

Kornhuber präzisierte, dass die Gastronomie nicht wie in letzter Zeit moniert für sich selbst eine Öffnung ab dem 1. Februar fordere, sondern in erster Linie für die Klein- und Kleinstbetriebe, in denen es nachweislich so gut wie kein Infektionsgeschehen gäbe.

Unterwanderungs-Befürchtung bestätigt sich nicht

Jenas Oberbürgermeister Thomas Nitzsche blieb der Veranstaltung derweil wie gestern angekündigt fern. Die Stadtverwaltung sowie die Initiative Innenstadt befürchteten, der Autokorso könne von Corona-Leugnern und Querdenkern unterwandert werden.

Dieser Verdacht bestätigte sich nicht. Während der Demonstration wurde mehrfach per Megafon darauf hingewiesen, dass man derlei Personen und Extremismus egal welcher Art nicht dulde. Laut Kornhuber sei am Treffpunkt vor dem Stadion ein Corona-Leugner vom Korso ausgeschlossen worden, der Rest seien alles Gewerbetreibende gewesen, die auf ihre Not hinweisen wollten.

Insgesamt zeigt sich Kornhuber zufrieden mit der Aktion. Etwa 70 Autos hätten sich eingefunden, von denen aufgrund polizeilicher Auflagen nur 50 am Korso teilnehmen konnten. Die Demonstration verlief ohne Zwischenfälle, auch die Maskenpflicht wurde von allen Beteiligten eingehalten.

Zweifel, dass sich die Situation bessert

Unter den Gastronomen herrscht jedoch die Befürchtung, dass dies nur ein kleiner Aufschrei war, dem keine merkbaren Besserungen folgen. Torsten Roßner, Inhaber des Titty Twisters: „Wenn der Staat sagt, macht zu‘, dann soll er auch dafür bezahlen, aber nicht Floskeln um sich werfen und am Ende kommt nichts“.

Wegen ausbleibender November- und Dezemberhilfen hätten bereits alle Tänzerinnen entlassen werden müssen, sagt er, lediglich das Sekretariat sei in Kurzarbeit geschickt worden. Er nimmt am Protest teil, um eine schnellere und unbürokratischere Auszahlung zu fordern.

Wohin es führen kann, wenn dies nicht gegeben ist, zeigt das Beispiel der Sportsbar am Markt. Wie uns Geschäftsführerin Julia Böttger erzählt, kündigte ihnen der Vermieter kurz vor Weihnachten fristlos, weil sie die Mieten wegen der ausbleibenden Staatshilfen nicht mehr begleichen konnten.

Doch selbst wenn die Hilfen rechtzeitig eingetroffen wären, hätten sie nicht ausgereicht, um die Verbindlichkeiten zu begleichen. Grund seien aufgestaute Kosten, ein „Rattenschwanz“, noch aus dem ersten Lockdown. Nun ist nicht nur die Sportsbar dicht, ihr droht obendrein sogar die Privatinsolvenz, die ausstehenden Zahlungen sind schließlich nicht aus der Welt.

Ein Vorbote von dem, was in größerem Ziel kommen könnte, wenn sich nicht bald etwas ändert? Möglicherweise. Die Sorge der Gastronomen, die heute teilnahmen, dass sich nichts an ihrer Situation ändert, ist zumindest nicht unbegründet, denn ihr bisheriger Wortführer fällt weg.

Kornhuber, der den heutigen Protest organisierte, hat nach den gestrigen Äußerungen der Stadtspitze angekündigt, sich vom Vorsitz der Aktion „Leere Stühle Jena“ zurückzuziehen. „Ich lasse mich nicht als Corona-Leugner oder Querdenker hinstellen, nur weil ich auf die Not einer ganzen Branche in Deutschland aufmerksam machen möchte“ waren seine Worte.

Text: Johannes Pfuch


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