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Reaktion auf gesunkene Flüchtlingszahlen

Jena schließt die meisten Flüchtlingsunterkünfte

Studenten- statt Flüchtlingsheim: Der Neubau in Jena-Winzerla wird im August fertig und vom Studentenwerk Thüringen von der Stadt angemietet.
Studenten- statt Flüchtlingsheim: Der Neubau in Jena-Winzerla wird im August fertig und vom Studentenwerk Thüringen von der Stadt angemietet.
Foto: Andreas Wentzel
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Die Stadt Jena wird die meisten Gemeinschaftsunterkünfte für Flüchtlinge in den kommenden Monaten schließen. Die neu gebauten GU’s werden an das Studentenwerk Thüringen vermietet.

Jena. Die Stadt Jena wird die meisten Gemeinschaftsunterkünfte (GU) für Flüchtlinge in den kommenden Monaten schließen, teilte Sozialdezernent Frank Schenker (CDU) am 12. Juli mit.

Laut Andreas Amend, Integrationsmanager der Stadtverwaltung, seien seit Mitte März nur noch 20 Flüchtlinge in Jena eingetroffen. In den Spitzenzeiten Herbst 2015 seien es bis zu 250 Flüchtlinge pro Monat gewesen. Aktuell würden in Jena knapp 2.000 Flüchtlingen leben, davon über 1.100 mit einer Aufenthaltsgenehmigung. Die bislang ca. 100 abgelehnten Asylbewerber sollen laut Amend alle aus dem Westbalkan stammen.

Studenten- statt Flüchtlingsheim

Die Neubauten in der Emil-Wölk-Straße und Theobald-Renner-Straße in Lobeda-West sowie in der Hugo-Schrade-Straße in Winzerla würden an das Studentenwerk Thüringen vermietet. Rund 100 Plätze für studentisches Wohnen stünden damit zur Verfügung.

Aus der Unsicherheit, wie die Flüchtlingszahlen sich entwickeln werden, soll mit dem Studentenwerk ein semesterweise wirkendes Zugriffsrecht der Stadt vereinbart werden. Im August sollen die Heime bezugsfertig sein, erklärte Tilo Peißker vom Eigenbetrieb Kommunale Immobilien Jena.

Diverse Standorte werden aufgegeben

Aufgegeben werden die GU‘s Am Steiger 4 (wieder Obdachlosenwohnheim), im Lauensteinweg 33 (möglicherweise Jugendwohnheim) und die Häuser im Philosophenweg 24/26 (öffentliche Ausschreibung zum Verkauf).

Geschlossen werden sollen bis Mitte 2017 die Containerstandorte Gries und POM in Jena-Ost sowie in der Carolinenstraße in Lobeda-Ost. Der Containerstandort Am Egelsee in Jena-Nord gehört der Stadt und wird als Reserveunterkunft erhalten.

Die Flüchtlingscontainer auf dem Gries in Jena-Ost sollen bis Mitte 2017 geschlossen werden.GU’s sollen nur noch im Spitzweidenweg 107 und in der Löbstedter Straße 41 (beide Jena-Nord) sowie am Ernst-Haeckel-Platz 3 betrieben werden mit einer Gesamtkapazität von 210 Plätzen.

Bislang entfielen auf die Stadt Flüchtlingskosten in Höhe von 16,7 Millionen Euro, resümierte Amend. Davon übernahm das Land sechs Millionen.

15,6 Millionen Euro mussten für die festen GU’s aufgewendet werden, 840.000 Euro für die Containerstandorte und 270.000 Euro für die 5 Notunterkünfte „Stern“, die aufgegebene Schule in Lobeda-West, die Turnhallen des SBSZ Göschwitz und der MeFa in Lobeda Ost (beide sollen zum Schuljahresbeginn wieder freigegeben werden) sowie die der ehemaligen Goethe-Schule in Winzerla (behält die eingebauten Wohnboxen als Reserve).

Alle Landesgelder seien wie zugesagt geflossen, erklärte Schenker. Das Delta von 10 Millionen Euro soll „minimiert“ werden. Laut Arend könnten von den kürzlich zugesagten Bundesmitteln 2,5 Millionen Euro in Jena ankommen.

Text und Fotos: Andreas Wentzel