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uralte Botschaften

Jena scannt die Vergangenheit: Hightech macht Unlesbares sichtbar

Samaneh Ehteram vom Team des Exzellenzclusters „Understanding Written Artefacts“ der Universität Hamburg bedient den Röntgenscanner ENCI, mit dem Keilschrifttafeln aus der Jenaer Hilprecht-Sammlung gescannt werden.
Samaneh Ehteram vom Team des Exzellenzclusters „Understanding Written Artefacts“ der Universität Hamburg bedient den Röntgenscanner ENCI, mit dem Keilschrifttafeln aus der Jenaer Hilprecht-Sammlung gescannt werden.
Foto: Universität Jena/Nicole Nerger
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Hightech trifft Antike: Hamburger Forschungsteam öffnet Jenas älteste Post.

Jena. Ein neu entwickelter Hightech-Scanner aus Hamburg ermöglicht erstmals einen Blick in jahrtausendealte, bislang ungeöffnete Briefe aus Ton.


Forschende der Universität Hamburg und des Deutschen Elektronen-Synchrotrons (DESY) untersuchen derzeit Tontafeln der Hilprecht-Sammlung an der Universität Jena – ohne die empfindlichen Artefakte zu beschädigen.

Die Keilschrift ist seit dem 19. Jahrhundert entziffert, doch viele Texte blieben unzugänglich, weil sie in Tonumschlägen versiegelt sind.


Genau hier setzt der neue Röntgentomograph „ENCI“ an. Das transportable Gerät, zusammensetzbar aus acht Modulen und rund 420 Kilogramm schwer, liefert extrem hochauflösende 3D-Aufnahmen.

Die Daten sind hundertmal größer und deutlich feiner als bei medizinischen CT-Scans.


ENCI wurde entwickelt, um verborgene Inschriften sichtbar zu machen – ähnlich wie ein Brieföffner, der jedoch nicht zerstört.

Schon vor 4.000 Jahren versiegelten Schreiber wichtige Verträge oder Briefe mit einem Tonumschlag, der Manipulationen verhindern sollte.

Viele dieser Hüllen sind bis heute unversehrt, ihr Inhalt blieb bislang ein Geheimnis.


In Jena analysiert das Team nun Tafeln, die unter anderem Gebrauchstexte wie Futterlisten oder Inventare enthalten könnten.


Die Forschenden hoffen, anhand der inneren Struktur sogar Werkstätten oder einzelne Schreiber identifizieren zu können.


Der Scanner war bereits in der Türkei und im Pariser Louvre im Einsatz.

Nun soll er auch in Jena helfen, Botschaften aus der Frühgeschichte zu entschlüsseln – ohne die kostbaren Originale zu beschädigen.

Quelle: Universität Jena