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Radioaktives Material heilt

Uniklinikum Jena: Neue Therapie bei Leberkrebs

PD Dr. René Aschenbach, leitender Oberarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am UKJ, und PD Dr. Robert Drescher, Oberarzt an der Klinik für Nuklearmedizin am UKJ, behandeln erstmals einen Krebspatienten mit der innovativen Holmium-166-SIRT (v.l.n.r.).
PD Dr. René Aschenbach, leitender Oberarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am UKJ, und PD Dr. Robert Drescher, Oberarzt an der Klinik für Nuklearmedizin am UKJ, behandeln erstmals einen Krebspatienten mit der innovativen Holmium-166-SIRT (v.l.n.r.). Foto: Szabó/UKJ

Das Uniklinikum Jena setzt auf ein neues Therapieverfahren beim Kampf gegen Leberkrebs. Ersten zwei Patienten wurden schon behandelt.

Jena. Mediziner am Uniklinikum Jena nutzen als eine der ersten klinischen Experten weltweit radioaktives Holmium-166 zur Behandlung von Leberkrebs und -metastasen.

Bei primär bösartigen Lebertumoren und Lebermetastasen, die weder operativ noch mittels Chemotherapie behandelt werden können, stellt die Radioembolisation eine Option dar.

Zwei Krebs-Patienten schon behandelt

Experten der Klinik für Nuklearmedizin sowie des Instituts für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am Universitätsklinikum Jena haben nun erstmals zwei Krebs-Patienten mithilfe der radioaktiven Substanz Holmium-166 behandelt. Dieses am Universitätsklinikum Utrecht entwickelte Präparat ermöglicht es, nach der Therapie genauer zu erkennen, an welchen Stellen das erkrankte Gewebe mit welcher Intensität bestrahlt wird.

Das UniversitätsTumorCentrum am UKJ  ist bundesweit die zweite Einrichtung, in der ein interdisziplinäres Team aus Nuklearmedizinern und Radiologen, Patienten mit Leberkrebs mit der innovativen Therapie behandelt. Weltweit bieten neben Utrecht nur die Zentren in Jena, Dresden und Pisa diese Methode an.

Verbesserte Bildgebungsmöglichkeiten

Mediziner bezeichnen die Radioembolisation auch als selektive interne Radio-Therapie, kurz SIRT. Bei dieser minimal-invasiven Methode werden per Katheter winzige, mit der radioaktiven Substanz Holmium-166 oder Yttrium-90 markierte Kügelchen in die Leberarterien des Patienten injiziert. Diese sogenannten Mikrosphären reichern sich im stark durchbluteten Tumor an und bestrahlen ihn von innen.

Gleichzeitig unterbrechen sie die Blut- und Nährstoffzufuhr des Geschwürs. Damit hindern die Kügelchen den Tumor daran, weiter zu wachsen bzw. sorgen dafür, dass er schrumpft.

„Da die Strahlung aus den Mikrosphären lediglich eine kurze Reichweite von wenigen Millimetern besitzt, kann das bösartige Tumorgewebe in der Leber gezielt bestrahlt und das umliegende Gewebe geschont werden“, so PD Dr. Robert Drescher, Oberarzt an der Klinik für Nuklearmedizin.



Ein Vorteil der neuen Methode besteht hinsichtlich der Bildgebungseigenschaften des Holmiums. „Die eingesetzten Mikrosphären können wir mit der Magnetresonanztomographie sichtbar machen – und das bereits bei geringen Konzentrationen im Tumorgewebe“, sagt PD Dr. René Aschenbach, leitender Oberarzt am Institut für Diagnostische und Interventionelle Radiologie am UKJ.

„Damit erkennen wir nun genauer, ob die Kügelchen den Tumor vollständig abgedeckt haben. Dies eröffnet uns neue Möglichkeiten, die Behandlungen zu kontrollieren und auf jeden Patienten exakt abzustimmen.“

Kürzere Bestrahlung mit hoher Strahlendosis

Die bisher für die SIRT verwendete Substanz Yttrium-90 bestrahlt den Tumor aufgrund ihrer Halbwertszeit von 64 Stunden über mehrere Tage. „Holmium-166 strahlt hingegen nur 26 Stunden, so dass die Strahlendosis in kürzerer Zeit auf den Tumor einwirkt. Ob dies einen weiteren Behandlungsvorteil darstellt, wird derzeit wissenschaftlich untersucht“, zeigt Dr. Drescher ein weiteres Merkmal der neuen Methode auf. 

Ob ein Patient strahlenonkologisch mit Holmium-166 oder Yttrium-90, einer chirurgischen oder einer medikamentösen Tumortherapie behandelt wird, legen Experten in den interdisziplinären Tumorkonferenzen, den sogenannten Tumorboards, am UniversitätsTumorCentrum fest.

In den wöchentlichen Konferenzen stimmen die Behandler aller beteiligten Fachgebiete das Vorgehen interdisziplinär aufeinander ab, um die zur Verfügung stehenden Therapiemöglichkeiten im Einzelfall optimal ausschöpfen zu können.

Text: Anne Böttner/UKJ

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