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Stellung bezogen

Jugendbanden in Jena: Polizei mit Fakten

Die Jenaer Polizei und Staatsanwaltschaft haben Stellung bezogen zu aktuellen Erscheinungsformen von Jugendkriminalität in Jena.
Die Jenaer Polizei und Staatsanwaltschaft haben Stellung bezogen zu aktuellen Erscheinungsformen von Jugendkriminalität in Jena. Foto: Michael Baumgarten/Archiv

Jugendkriminalität in Jena: Polizei und Staatsanwaltschaft haben den Vorwurf zurückgewiesen, im Falle ausländischer krimineller Jugendlicher untätig zu bleiben. Am Freitag reagierten sie mit Fakten.

Jena. In den letzten Monaten kam es in Jena zu einer Vielzahl von Straftaten, welche u. a. durch Jugendliche und Heranwachsende mit Migrationshintergrund begangen wurden. Dies sorgte in der Jenaer Bevölkerung für Unsicherheit und Unruhe.

Die Wogen schlugen insbesondere hoch, nachdem in den sozialen Medien ein Video von der Festnahme eines 19-jährigen Syrers in der Goethe Galerie geteilt worden war. Der Ruf nach einem härteren Durchgreifen von Polizei, Justiz und Behörden wurde laut.

Justiz war nicht untätig

In der Bevölkerung ist zudem der Eindruck entstanden, dass die Justiz untätig geblieben ist und seit Sommer 2016 die ca. 160 Strafverfahren gegen junge Migranten „brach liegen“ würden. Dies ist keineswegs der Fall.

Wie berichtet, wurden und werden die betreffenden Fälle in der Jugendstation Jena bearbeitet. Dort besteht der Vorteil, dass Polizei, Staatsanwaltschaft und Jugendgerichtshilfe in einem Haus zusammenarbeiten und jugendliche und heranwachsende Straftäter mit unverzüglichem Einschreiten zu rechnen haben.

Ermittlungen wegen 160 Straftaten

Dies ist bisher auch bei einem Großteil der ca. 160 angezeigten Straftaten geschehen, von denen nur gut die Hälfte durch Jugendliche und Heranwachsende mit Migrationshintergrund begangen wurde.

Den Beschuldigten, die aus Syrien, dem Irak, Afghanistan und Deutschland stammen, werden Landfriedensbruch, (gefährliche) Körperverletzung, Sachbeschädigung, Diebstahl, Beleidigung, Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz, Widerstand gegen Polizeibeamte und Hausfriedensbruch (bei Verstößen gegen Hausverbote) vorgeworfen.



Seit Beginn der Straftatanhäufung im Sommer 2016 handelten 24 Täter wiederholt. Davon sind seit Ende 2017 noch 11 Personen auffällig. 18 Personen wiederum traten besonders häufig in Erscheinung.

Meisten Straftaten im Paradies

Räumlich verteilen sich die Straftaten auf den Bereich Jena-Paradies (59), Lobeda-West (56) sowie das Stadtzentrum, mit dem Bereich Ernst-Abbe-Platz/Goethe Galerie (44).

Reaktionen von Polizei und Justiz

Die Bearbeitungsdauer der einzelnen Ermittlungsverfahren durch die Polizei betrug im Durchschnitt drei bis vier Wochen. In dieser Zeit müssen die Beschuldigten, Zeugen und Opfer vorgeladen und zur Sache vernommen werden. Belastendes und entlastendes ist herauszuarbeiten.

Oft muss ein Dolmetscher hinzugezogen werden. Zur Unterstützung für das fünfköpfige Team der Jugendstation wurde je ein Beamter der Kriminalpolizei Jena sowie des Inspektionsdienstes Jena der Jugendstation zugeordnet.

Drei Täter mit Haftstrafen verurteilt

Die Bearbeitungszeit durch die Staatsanwaltschaft betrug ebenfalls nur wenige Wochen. Vier der oben genannten Personen, die besonders häufig in Erscheinung traten, sind inzwischen rechtskräftig verurteilt worden. Drei erhielten Haftstrafen von jeweils 1 Jahr und 4 Monaten sowie einer von 1 Jahr und 6 Monaten, wobei zwei dieser jungen Männer vor ihrer Verurteilung in Untersuchungshaft saßen.

Die ausgesprochenen Haftstrafen wurden auf Bewährung ausgesetzt und Bewährungsauflagen verhängt. Die Bewährung kann bei Neuanfall widerrufen werden. Dies war bisher nicht notwendig.

Zwei Täter in Untersuchungshaft

Gegen zwei weitere Täter wurde unlängst Untersuchungshaft angeordnet. Ihnen werden Drogen- bzw. Gewalt- und Eigentumsdelikte vorgeworfen.

Ein 17-jähriger Syrer, der bei McDonalds einem jungen Mann das Nasenbein brach und der im oben benannten Video nach einem Ladendiebstahl Widerstand gegenüber den Polizeibeamten leistete, wurde in eine geschlossene Jugendeinrichtung zur Vollstreckung des Unterbringungshaftbefehls verbracht.

Mehrere Verhandlungen im April

Im Zuge der Bearbeitung der Strafsachen gegen Jugendliche und Heranwachsende, werden Einzeldelikte häufig zu Sammelanklagen zusammengefügt. So wurden insgesamt 37 gebündelte Strafsachen gegen 16 Jugendliche und Heranwachsende mit Migrationshintergrund zur Anklage gebracht und befinden sich inzwischen bei Gericht; mehrere Hauptverhandlungen sind für April anberaumt.

Durch die Staatsanwaltschaft sind derzeit noch 29 Ermittlungsverfahren aus den oben genannten 160 Fällen in Bearbeitung, was dem geschilderten Ermittlungsaufwand geschuldet ist. Sofern die gesetzlichen Voraussetzungen es zulassen, ist auch hier zeitnah mit einer Anklageerhebung zu rechnen. (zur Erklärung: Jugendliche 14-18 Jahre, Heranwachsende 18-21 Jahre)

Quelle: Polizei Jena

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