„Kein Kanonenfutter“
Erneut Schulstreik in Jena: Hunderte gegen Wehrdienst

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Gegen geplante Wehrpflicht: Erneut streikten über 1.000 Schülerinnen und Schüler in Jena.
Jena. Hunderte Schülerinnen und Schüler versammelten sich am heutigen Donnerstagvormittag in Jenas Zentrum, um erneut gegen die geplanten Wehrpflichtmaßnahmen der Bundesregierung zu demonstrieren.
Ab diesem Jahr sollen alle 18-Jährigen einen Fragebogen zur „Wehrdiensttauglichkeit“ erhalten.
Junge Männer werden voraussichtlich ab Juli 2027 wieder gemustert, für Frauen basieren sowohl die Beantwortung des Bogens als auch die Musterung auf Freiwilligkeit.
Gegen 11 Uhr eröffnete eine Rednerin die Protestveranstaltung auf dem Holzmarkt mit den Worten: „Heute ist kein Schul-, sondern ein Streiktag.“
So gut wie alle Altersstufen waren vertreten und verfolgten die Redebeiträge mit großem Interesse. Sie hielten Transparente und Schilder mit Sprüchen wie „Wir sind kein Kanonenfutter“ oder „Wehrpflicht ab 67!“ in die Höhe.
Eine Verantwortliche wies darauf hin, dass Parteifahnen und -symbole bei der Veranstaltung nicht gestattet seien.
„Wir sollen kriegstüchtig werden, um Interessen zu schützen, die nicht unsere sind“, empörte sich ein Redner und erntete für seinen Beitrag tosenden Beifall.
Vor Beginn des Protestzugs wurden einige Parolen eingeprobt, darunter etwa „Die Reichen wollen Krieg, die Jugend eine Zukunft“.
Rund zwanzig Minuten nach Eröffnung machten sich die Jenaer Schülerinnen und Schüler schließlich auf den Weg durch das Stadtzentrum.
Nicht nur junge Menschen nahmen an der Demo teil, auch einige Lehrkräfte und Eltern waren zugegen.
Der Streik stieß jedoch nicht überall auf Verständnis. „Das kann man nicht begreifen“, kommentierte eine Passantin den Demonstrationszug. „Die sollen lieber in die Schule, diese Hosenscheißer“, rief ein anderer.
Auch akustisch zeigten sich Spannungen, beispielsweise als Rosalías „Berghain“ aus den Lautsprechern eines Demofahrzeugs gegen gälische Dudelsackmusik von der anderen Straßenseite ankämpfen musste.
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Die Demonstrierenden reagierten auf ablehnende Reaktionen gelassen und riefen Beistehende dazu auf, sich dem Menschenzug anzuschließen.
Vom Holzmarkt aus führte die Laufroute den Löbdergraben entlang, dann über den Fürstengraben und den Leutragraben zum Theatervorplatz.
Dort fand eine Abschlusskundgebung statt. Nach knapp zwei Stunden war die Demonstration schließlich beendet.
Es war das zweite Mal, dass eine solche Demo in Jena stattfand. Vor drei Monaten hatte das Jenaer Schulstreikbündnis zuletzt zum Streik aufgerufen.
Text: Erik Pöch
Fotos: Baumgarten/JENPICTURES


















