Großer Bahnhof
Film-Premiere in Jena: MDR-Doku über Trainerlegende Hans Meyer
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Film-Premiere in Jena: MDR würdigt mit Doku das Lebenswerk von Trainerlegende Hans Meyer.
Jena. Am Donnerstagabend feierte der vom Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) produzierte Dokumentarfilm über Hans Meyer seine Vorpremiere im Cinestar Jena.
Mit dabei war natürlich der Hauptprotagonist selbst – begleitet von zahlreichen Weggefährten aus seiner langen Fußballkarriere.
Fußballer mehrerer Generationen waren im Saal vertreten, stellvertretend seien Rainer Schlutter, Lothar Kurbjuweit, Torsten Ziegner und Henning Bürger genannt.
Ein filmischer Rückblick auf ein bewegtes Leben
Der Film zeichnet Meyers Stationen nach und lässt viele seiner Mitstreiter sowie ihn selbst ausführlich zu Wort kommen. Die Gespräche werden durch Spielszenen und Trainingsausschnitte mit Cheftrainer Meyer ergänzt.
Meyer kam als Kind in den 1940er Jahren aus dem Sudetenland (heute Tschechien) nach Thüringen. Wie viele Kinder der Nachkriegszeit nutzte er alles, was sich bewegen ließ, als Ball.
„Man konnte froh sein, wenn die Blechdose, gegen die man trat, nicht auf einem Pfahl steckte“, erinnert er sich.
Bei der BSG Motor Dietlas begann er schließlich im Verein Fußball zu spielen. Auch einige Altersgefährten aus dieser Zeit kommen in der Doku zu Wort.
„In Dietlas war es schön – da war ich mit meinen Fähigkeiten der König, auch weil die Plätze manchmal so klein waren, dass man von der Mittellinie Tore erzielen konnte.“
Karrierebeginn in Jena und große Erfolge als Trainer
Seine professionelle Laufbahn startete Meyer beim FC Carl Zeiss Jena – als Spieler zunächst weniger erfolgreich, wie er selbstkritisch anmerkt.
Umso erfolgreicher wurde er später als Trainer, als er mit 29 Jahren die Nachfolge von Georg Buschner antrat.
Höhepunkt seiner FCC-Zeit war nach dem DFB-Pokalsieg 1980 gegen den Thüringer Rivalen Rot-Weiß Erfurt die Europapokal-Saison 1980/81, die erst im Finale gegen Dynamo Tbilissi endete.
Die legendären Bielau-Tore beim 4:0 gegen AS Rom durften im Film natürlich nicht fehlen.
Weitere Trainerstationen im Osten waren Rot-Weiß Erfurt, der FC Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitzer FC) in den Jahren 1988 bis 1993 sowie Union Berlin.
Erfolge in Enschede, Mönchengladbach und Nürnberg
In den späten 1990er Jahren wechselte Meyer zum niederländischen Erstligisten Twente Enschede, mit dem er den Sprung in den Europacup schaffte.
Diese erfolgreiche Zeit ebnete ihm den Weg in die Bundesliga: 1999 übernahm er Borussia Mönchengladbach, führte den Traditionsverein zurück in die Erste Liga und blieb den „Fohlen“ später über ein Jahrzehnt im Präsidium (2011–2024) verbunden.
2004 rettete er Hertha BSC vor dem Abstieg – daran erinnerte sich auch DDR-Nationalspieler Andreas Thom im Film.
Seinen größten Titel im wiedervereinigten Deutschland gewann Meyer 2007 mit dem 1. FC Nürnberg, den er zum DFB-Pokalsieg führte.
Damit ist er bis heute der einzige Trainer, der sowohl den FDGB-Pokal als auch den DFB-Pokal gewann.
Dass Nürnberg in der Folgesaison als Titelverteidiger im Elfmeterschießen ausgerechnet beim damaligen Zweitligisten FC Carl Zeiss Jena ausschied, blieb in der Doku unerwähnt.
Podiumsgespräch im Anschluss
Nach den 90 Filmminuten folgte ein Podiumsgespräch, moderiert von MDR-Sportreporter Christian Müller. 
Die MDR-Autoren Marion Tetzner und Eyk Galley (l.) mit Hans Meyer. Foto: Ben Baumgarten/JENPICTURES
Neben Meyer nahmen auch die MDR-Autoren Marion Tetzner und Eyk Galley teil, die den Kulttrainer in den vergangenen Monaten bei seinen Besuchen an früheren Wirkungsstätten begleitet hatten.
Sendetermine
Die Dokumentation „Mensch Meyer! Hans, der Fußball-Philosoph!“ ist ab dem 9. Januar in der ARD-Mediathek abrufbar und läuft am 11. Januar 2026 um 22:25 Uhr im MDR-Fernsehen. Ein Blick lohnt sich.
Text: Steffen Langbein
Fotos: Ben Baumgarten/JENPICTURES
