Laut Pestel-Institut

Analyse für Jena: Kein Wohnraum für Geringverdiener

Ein inzwischen typisches Bild in der Jenaer Innenstadt.
Ein inzwischen typisches Bild in der Jenaer Innenstadt.
Foto: MEINFAIRMIETER
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Kein Wohnraum für Geringverdiener: Die aktuelle Wohnungsmarkt-Analyse für Jena zeigt, dass die Mieten für einfache Wohnungen innerhalb von sechs Jahren 2,5-mal so stark wie die Lebenshaltungskosten stiegen.

Jena. Die vom Jobcenter übernommenen Mieten für Single-Haushalte stiegen in Jena innerhalb von gut sechs Jahren (März 2014 bis August 2020) um 16,0 Prozent, während die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum nur um 6,5 Prozent zulegten.

Zu diesem Ergebnis kommt die aktuelle Wohnungsmarkt-Analyse des Pestel-Instituts mit Sitz in Hannover.

„Bei den Mieten wird oft rausgeholt, was herauszuholen ist. Dabei bauen Vermieter auf die Jobcenter als zuverlässige Zahlstelle. Diese übernehmen die Kosten für Wohnungen einfachen Standards.

Auf genau diese Wohnungen sind aber nicht nur Hartz-IV-Empfänger angewiesen, sondern eben auch die vielen anderen Haushalte mit niedrigen Einkommen“, sagt der Leiter des Pestel-Instituts, Matthias Günther.

Deshalb gibt es jetzt ein Mieter-Gütesiegel, um eine bessere Orientierung bei Wohnungsangeboten zu bekommen: „MEINFAIRMIETER“ prüft als Wohnungsmarkt-Label insbesondere die soziale Verantwortung von Vermietern. Matthias Günther hat die Gründung des Gütesiegels mit initiiert.

Das Siegel sei ein „Sozial-Kompass für den Wohnungsmarkt“ – und für weite Teile der Bevölkerung relevant: Fast ein Viertel der Beschäftigten arbeitet nach Angaben des Pestel-Instituts bundesweit im Niedriglohnsektor.

„Der Staat agiert inzwischen mangels eigener Wohnungen als Mietentreiber, weil er Mieten akzeptieren muss, bei denen viele Vermieter offensichtlich die Schmerzgrenze ausreizen“, so Günther.

Auch hinter der Wohnungsmarkt-Analyse für Jena steht das Gütesiegel „MEINFAIRMIETER“. Faire Vermieter, ob öffentlich, genossenschaftlich oder privat, müssen laut Günther für die Wohnungssuchenden erkennbar sein.

In der Schaffung von Markttransparenz wird ein Schwerpunkt der Arbeit des Gütesiegels gesehen. „Aber natürlich werden wir auch wohnungspolitische Forderungen wie etwa die dringend notwendige Stärkung des Sozialwohnungsbestandes und die Verbesserung der Rahmenbedingungen für den Wohnungsbau insgesamt im Fokus haben“, betonen die Gründer des Gütesiegels.

Denn letztlich hat eine unzureichende Wohnungspolitik dazu geführt, dass Ende 2019 in Jena gut 1.600 Wohnungen oder 2,6 Prozent des Wohnungsbestands fehlten.

Quelle: Pestel-Institut

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