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Festakt am 28. September

Vor 20 Jahren: Erste Herz-OP am Uniklinikum Jena

Bei Eingriffen an der Mitralklappe im Herzen kommt seit 2018 auch der DaVinci-Operationsroboter zum Einsatz.
Bei Eingriffen an der Mitralklappe im Herzen kommt seit 2018 auch der DaVinci-Operationsroboter zum Einsatz. Foto: Anna Schroll/UKJ

Hand aufs Herz: Die Klinik für Herzchirurgie am Uniklinikum Jena feiert ihr 20-jähriges Bestehen.

Jena. Die Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie feiert am 28.09.2019 ihr 20-jähriges Bestehen. Alle Ärzte, Patienten und Interessierte an der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie Jena sind herzlichst zu unserem Geburtstagssymposium eingeladen.

1999 erste Herzoperation

Am 15. September 1999 erlebt das Universitätsklinikum Jena (UKJ) eine Premiere: Auf dem OP-Tisch liegt ein 71-jähriger Mann, der eine neue Herzklappe – genauer: eine künstliche Aortenklappe – erhält.

Es ist die erste Herzoperation am UKJ und die Premiere der vor 20 Jahren eröffneten Klinik für Herz-, Thorax- und Gefäßchirurgie unter ihrem damaligen Leiter Prof. Dr. Thorsten Wahlers, die am 2. September 1999 eingeweiht wurde.

Rund zwei Monate später nimmt auch das Herztransplantationsprogramm am UKJ mit der ersten Herzverpflanzung seinen Anfang.

Die Planungen für eine Herzchirurgie in Jena hatten 1993 begonnen. „Mit der Inbetriebnahme der Klinik wurde nicht nur eine Versorgungslücke geschlossen“, sagt der heutige Klinikdirektor, Prof. Dr. Torsten Doenst, der die Klinik seit 2010 leitet.



„Auch der Lehrstuhl für Herzchirurgie wurde etabliert und damit die strukturelle und fachliche Voraussetzung für die Forschung und die Ausbildung von Medizinstudenten in diesem Fachgebiet. Das hatte es in Thüringen bisher nicht gegeben.

Jährlich rund 2.000 Operationen

2006 zur Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie umstrukturiert, werden in Jena heute jährlich rund 2.000 Operationen vorgenommen. Darunter sind mehr als 1.000 operative Eingriffe am Herzen – von der minimalinvasiven Herzklappenreparatur bis zur Transplantation.

25 Ärzte, fast 100 Pflegekräfte und 7 Kardiotechniker – Spezialisten unter anderem zur Steuerung der Herz-Lungen-Maschine während Operationen am offenen Herzen – gehören zum Team.

Gemeinsam am Hybrid-OP-Tisch

Gemeinsam mit der Klinik für Kardiologie bildet die Herzchirurgie das universitäre Herzzentrum, in dem die fachlichen Kompetenzen beider Kliniken gebündelt sind. Das schlägt sich unter anderem in gemeinsamen Fallbesprechungen nieder und bei bestimmten Eingriffen (vor allem den Aortenklappeneingriffen per Katheter) stehen Herzchirurgen und Kardiologen auch gemeinsam am Hybrid-OP-Tisch.

„Trotz der Zunahme interventioneller Verfahren in der Herzmedizin bleibt die klassische Operation in vielen Bereichen weiterhin der Goldstandard“, so Prof. Doenst. Dies habe vor allem damit zu tun, dass für die klassischen herzchirurgischen Verfahren die Langzeitergebnisse bekannt sind.



Die Ergebnisse der oft als Alternative verwendbaren Katheterverfahren sind bisher meist nur kurzfristig bekannt. Hinzu kommt, dass die Herzchirurgie in den vergangenen Jahren deutlich weniger invasiv und sicherer geworden ist. Beispiel koronare Herzkrankheit (KHK), der häufigsten Ursache von Herzinfarkt.

In einem kürzlich in einer renommierten amerikanischen Fachzeitschrift (Journal of the American College of Cardiology) veröffentlichten Forschungsbeitrag konnte der Jenaer Wissenschaftler kürzlich zeigen, dass die Überlebenschancen von Erkrankten nach einer klassischen Bypass-Operation in vielen Fällen besser sind als die von KHK-Patienten, bei denen ein Stent verwendet wurde.

Die Ursache, so Doenst, beruhe auf einem Schutz vor neuen Herzinfarkten, der nur durch die Bypassanlage vermittelt werden kann.

UKJ-Herzklinik international anerkannt

Die Jenaer Klinik hat sich in den vergangenen Jahren zu einem international renommierten Zentrum für minimal-invasive Verfahren in dem Fachgebiet entwickelt.

Minimalinvasiv bedeutet in der Herzchirurgie den Verzicht auf die Durchtrennung des Brustbeins, die normalerweise einen etwa 20 bis 30 Zentimeter langen offenen Schnitt körperabwärts und die Stabilisierung des Brustbeins nach dem Eingriff mit Drähten und Spezialwesten bedeutet.

Stattdessen verschaffen sich die Chirurgen durch einen kleinen Schnitt von der Körperseite oder unter der Brust Zugang zur defekten Klappe. Weniger Schmerzen, ein sehr viel geringeres Risiko für Wundinfektionen und ein schnellerer Heilungsprozess sind die Vorteile für die Patienten.



„Seit 2014 können wir auf diese Weise praktisch alle Herzklappenerkrankungen behandeln“, so Prof. Doenst. Möglich sei dies auch dann, wenn mehrere Klappen gleichzeitig geschädigt sind. Auch bei Bypass-Operationen wegen KHK ist dieses Verfahren unter bestimmten Voraussetzungen einsetzbar.

Die ersten Ergebnisse deuten ggf. sogar auf eine Überlegenheit der minimal-invasiven Verfahren gegenüber der klassischen Eröffnung des Brustbeins hin.

Zu einem Schwerpunkt der UKJ-Herzchirurgen hat sich auch die operative Therapie von Entzündungen der Herzinnenwand (Endokarditis) entwickelt.

Die durch mit dem Blut eingeschwemmte Bakterien hervorgerufene und lebensgefährliche Entzündung führt dazu, dass die Herzklappen undicht werden, verengen oder Beläge bilden – mit dem Risiko, dass sich Blutgerinnsel lösen und Hirngefäße verstopfen.

Umso wichtiger ist eine zeitnahe Operation. Ein vom UKJ gegründetes Endokarditis-Netzwerk ist hier Ansprechpartner für Patienten, Krankenhäuser und Kardiologie-Praxen in Thüringen.

Terminhinweis:

Interessierte sind herzlich zum Jubiläums-Festakt eingeladen:

„20 Jahre Herzchirurgie“
28. September 2019
9 bis 12 Uhr
Universitätsklinikum Jena
Am Klinikum 1
07747 Jena
Hörsaal 1

Text: Anke Schleenvoigt/UKJ

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