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Knappe Aufholjagd

Jena kratzt an der Sensation

Jena kratzt an der Sensation

Trotz einer sensationellen Aufholjagd konnten die Spielerinnen des FF USV Jena das Match gegen die Frauen aus Wolfsburg nicht mehr für sich entscheiden. Nachdem das druckvollen Spiel der Gegnerinnen in der 1. Halbzeit die Defensive der Jenaer Kickerinnen durcheinander gebracht hatte, konnte der 3:0-Rückstand nicht mehr ausgeglichen werden. 

Jena. In der ersten Halbzeit wirkte der ersatzgeschwächt angetretene FF USV wie gelähmt vor den großen Namen in Reihen des VfL, der von Beginn an die Parole „Alles auf Angriff“ umsetzte. Alexandra Popp wirbelte über links, Zsanett Jakabfi über rechts, Nadine Keßler führte im Mittelfeld mit viel Augenmaß Regie und bediente ihre Mitspielerinnen fast nach Belieben. Die Gäste, die neben den Langzeitverletzten Sabrina Schmutzler und Lara Keller auch auf Amber Hearn, Ria Percival und Vivien Beil verzichten mussten, fanden in der Anfangsviertelstunde kaum Gelegenheit, sich offensiv einzubringen. Wolfsburg fing schon an der Mittellinie alle Versuche eines Jenaer Vorstoßes ab und setzte mit schnellen Kombinationen die USV-Defensive gehörig unter Druck. Die besten Möglichkeiten zur im Minutentakt in der Luft liegenden Führung vergaben Jakabfi mit einem Distanzschuss neben das linke Toreck und Verena Faißt, die einen Freistoß aus gut 30 Metern Entfernung an die Unterkante der Latte setzte.

Wie aus dem Nichts eröffnete sich Mitte der ersten Halbzeit eine Chance für die Gäste. Susann Utes nahm aus zentraler Position Maß und verfehlte das Tor von Nationalkeeperin Almuth Schult nur knapp. Wolfsburg blieb spielbestimmend und fand nach einer halben Stunde erstmals ein probates Mittel, die Abwehr um Caro Schiewe, Abby Erceg und Co. entscheidend zu knacken. Martina Müller nahm ein Anspiel über rechts auf, tankte sich in den Strafraum und vollendete aus Nahdistanz zum hoch verdienten 1:0. Auch der zweite Wolfsburger Treffer resultierte aus einer Einzelaktion der quirligen Offensivspezialistin. Erneut spielte Müller bei einem Angriff über rechts ihre Routine aus, passte auf Popp, die sich am linken Fünfmetereck unbedrängt die Ecke aussuchen konnte. Mit dem für die Gäste schmeichelhaften 2:0 ging es in die Pause.

Nach dem Wechsel setzte der VfL sein druckvolles Offensivspiel fort. Für die Saalestädterinnen hatte so auch weiterhin das Verteidigen oberste Priorität. Allerdings zeigte sich Jenas Abwehr nach der Halbzeitansprache von Trainer Daniel Kraus sichtlich stabiler, Zweikämpfe wurden konsequenter angenommen und zumindest ansatzweise war ein Spielaufbau zu erkennen. In der Folge sahen die fast 1000 Zuschauer vermehrt Jenaer Bemühungen in des Gegners Hälfte. In diese Phase der Besserung platzte 10 Minuten vor dem Ende das 3:0, das Lena Goeßling mit einem Sonntagsschuss markierte.

Wer jetzt aber dachte, die Wölfinnen würden den sicheren Vorsprung leicht und locker über die Zeit bringen, hatte den FF USV nicht auf der Rechnung. Die für die angeschlagene Susann Utes eingewechselte Vanessa Müller brachte frischen Wind in Jenas Offensive. Nach einem Solo über links drang die 19-Jährige in den Strafraum ein und legte das Leder quer auf Christina Julien, die den Ball auf die besser postierte Julia Arnold verlängerte. Jenas Nummer 31 setzte die Kugel zum 1:3 ins Wolfsburger Netz. Plötzlich zeigten die Thüringerinnen Kombinationsfußball vom Feinsten.

Wolfsburg schien vom Gegentreffer völlig aus dem Konzept gebracht, Unsicherheiten schlichen sich ein und ermöglichten weitere Jenaer Chancen. Carolin Schiewe nutzte kurz vor Ultimo eine dieser Gelegenheiten und hämmerte den Ball von der Strafraumgrenze zum 2:3 in die Maschen. Als sich Schiewe wenig später zu einem Kopfball hochschraubte, den aber nicht voll erwischte, herrschte für einen kurzen Moment absolute Stille im Stadionrund.

 

Jena verkaufte sich trotz großer Personalsorgen mehr als achtbar gegen Europas erfolgreichste Vereinsmannschaft der letzten Saison. „Emotional war das heute eine bittere Niederlage. Nach einer solchen Aufholjagd hätten wir gerne einen Punkt mitgenommen. Leider haben wir wie gegen Potsdam in der ersten Hälfte zu viel Respekt gezeigt. In der Pause habe ich an die Mannschaft appeliert: Was wollen wir hier eigentlich? Ist das ein Betriebsauflug oder wollen wir Punkte mitnehmen? Danach hat die Mannschaft Moral bewiesen. Deshalb ist es schade, dass uns der Ausgleich nicht gelang“, resümierte Daniel Kraus nach der Partie.


 

Jena: S. Michel – A. Erceg; S. Utes (74. V. Müller); S. Löser; C. Julien; L. Seiler; I. Landeka; L. Lagaris; L. Brosius; J. Arnold; C. Schiewe

Wolfsburg: A. Schult – L. Wensing; Z. Jakabfi; N. Fischer; V. Odebrecht (63. L. Goeßling); A. Popp; N. Keßler; S. Bunte; V. Faißt (61. L. Magull); M. Müller (73. J. Damnjanovic); J. Henning

Tore: 1:0 (28.) Martina Müller; 2:0 (35.) Alexandra Popp; 3:0 (80.) Lena Goeßling; 3:1 (84.) Julia Arnold; 3:2 (87.) Carolin Schiewe

Zuschauer: 989

 

 

Text:  Silke U. Winkler/Ralf Triesch
Fotos: Silke U. Winkler

 

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